Hallo Zusammen,

 

meine aktuelle Montage hat mich diesmal nach Indien geführt. Unsere Baustelle liegt in Whitefield, einem Vorort von Bangalore. Hier ist das indische Silicon Valley angesiedelt. Der Ort selbst liegt relativ weit südlich, auf einer Höhe von knapp 1000 Metern und hat etwa 10 Millionen Einwohner. Momentan herrschen hier recht angenehme Temperaturen von 25-30°C. Selbst die Temperaturen nachts sind T-Shirt tauglich.

Aber immer schön der Reihe nach. Der Flug dauert etwa 8,5 Stunden und man landet mitten in der Nacht. Die Zeitverschiebung ist auch 5:30 Stunden, keine Ahnung wer sich so etwas ausgedacht hat. Nach der Landung mussten wir immigrieren, was aber trotz amerkanischem Vorbild erstaunlich schnell ging. Gepäck fassen, Geld tauschen und ab durch den Zoll. Draußen hat schon ein Fahrer vom Hotel auf uns gewartet.

Zum Glück war nicht viel Verkehr, so kann man sich langsamer auf die Fahrweise hier einstellen. Gefahren wird links, zumindest meistens, aber die Inder können sich nicht für eine Fahrspur entscheiden, also wird immer zwischen den Spuren gefahren. Dazu kommen überall Schwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung, die so hoch sind, das nur Schritttempo geht. Diese Schwellen sind selbst auf den Highways. Man fährt immer voll Stoff, dann Vollbremsung, im Schritttempo über den Huckel eiern und wieder Vollgas. Nachts kommt erschwerend dazu, dass die meisten Autos hinten keine funktionierende Beleuchtung haben oder auch mal Hunde oder Esel über den Highway rennen. Im Hotel angekommen fallen einem sofort die Sicherheitsvorkehrungen auf, schwere Rolltore, Wachleute die die Autos auch mit Spiegeln von unten checken.

 

 

Am Mittwoch war der Tag der Unabhängigkeit und somit frei. Unser Atlas-Mitarbeiter hat uns in die Stadt geführt. Zunächst ging es ins Flugzeugmuseum auf dem Gelände des Flugzeugherstellers HAL. Eine sehr interessante Ausstellung, zumal vorher noch nie etwas davon gehörte hatte. Auf dem Gelände ist auch noch der ehemalige internationale Flughafen angesiedelt und gegen etwas Bakschich konnten war uns den alten Tower anschauen. Die Tour ging weiter durch einen riesigen Park, am Regierungsgebäude vorbei zu einem Palast des Maharadschahs. Dort war das fotografieren leider verboten.

 

 

Die Art dort zu leben war schon äußerst dekadent. Besonders pervers waren die Jagdmethoden und Trophäen. Ich weiß nicht ob man sich daheim unbedingt einen Elefantenkopf hinhängen muß oder eine Blumenvase aus einem Rüssel braucht. Auf dem Rückweg kamen wir beim Internationalen Kite-Festival vorbei. Ich glaube, wir waren das internationalste an dem Tag. Zumindest wurden wir vom Fernsehen gefilmt und von einem Pressevertreter fotografiert.

 

 

Abends sind wir in einer Kopie von einem Hardrockcafe versackt. Die Atmosphäre darin war super und wir hatten viel Spaß.

 

 

Den Rest der Woche waren wir auf der Baustelle und Abends meistens irgendwo in der Nähe vom Hotel zum Essen. Zum Essen muß ich sagen, dass ich bisher noch keinen Ausfall hatte. Also es hat alles recht gut geschmeckt und hatte bisher auch noch keinen Durchfall. Die indische Küche ist hauptsächlich vegetarisch und ist natürlich regional verschieden. Der Schärfegrad der Speisen ist auch recht erträglich, wobei mit Sicherheit auf uns Rücksicht genommen wurde. Traditionell wird auch ohne Besteck gegessen, aber das ist uns bisher erspart geblieben. Sehr interessant fand ich die Bemerkung unseres Inders auf die Frage, ob man am Straßenrand etwas zu Essen kaufen kann. Er meinte, wir sollten das sein lassen, selbst er würde da nie etwas kaufen. So achtet man auch darauf in Gaststätten immer verschlossene und versiegelte Wasserflaschen zu bekommen. Genauso wird die Bierflasche erst geöffnet, nachdem man sie begutachtet hat und sein okay gibt.

 

 

Neben unserer Baustelle werden neue Gebäude gebaut. Ich bin immer wieder immer die Arbeitsweise erstaunt. Da wird Erde von A nach B mit Schüsseln auf dem Kopf bewegt. Traktoren werden angeschoben, weil sie kein Batterien mehr haben oder es werden völlig ohne irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen Löcher in den Böden gesprengt.

 

 

Die Arbeiter rennen in Schlappen oder barfuss auf der Baustelle rum. Die Leute leben in Zelten neben der Baustelle. Wenn man das so alles sieht, könnte man meinen, man sieht 150 Jahre zurück.

Am Samstag Nachmittag haben wir einen Fahrer gemietet und sind noch mal in die Stadt gefahren, zum einen wollte ich einen richtigen Kaffee trinken und zum anderen wollten wir noch ein paar Eindrücke und Impressionen sammeln über das Leben hier. Mit den Sehenswürdigkeiten waren wir ja schon durch. Mehrere Einheimische haben haben gemeint, es gäbe nichts Sehenswertes mehr.

 

 

Die Fahrt in die Stadt war wieder das übliche Abenteuer. Alle 30 Sekunden meint man, das es jetzt kracht, aber irgendwie passt das Auto dann doch durch oder wie durch ein Wunder berühren sich die Fahrzeuge nicht. Viele fahren auch mit angeklappten Spiegeln, gibt 10cm mehr Luft.

 

 

Was sofort auffällt ist der viele Dreck überall. Egal wo man hinschaut liegt Müll rum. Ich nehme mal an, um das verwertbare kümmert sich noch jemand und der Rest verrottet irgendwann.

 

 

Die Kühe gehören auch zum alltäglichen Straßenbild. Für uns wirkt das irgendwie befremdlich. Wobei es dabei scheinbar auch Unterschiede gibt. Es rennen auch normale Kühe rum, die jemanden gehören, zumindest haben sie ein Strick um. Keine Ahnung ob sie als Milchkühe dienen oder Statussysmbole sind, zumindest gibt es nirgendwo Rindfleisch.

Damit der Bericht nicht zu lang wird kommen hier noch ein paar unkommentierte Impressionen.

 

 

 

 

 

 

Wahrscheinlich habe ich jede Menge an Impressionen vergessen oder unterschlagen. Das Land ist einfach nur beeindruckend, im positiven wie im negativen Sinne.

 

Viele Grüße

Enno