Hallo Zusammen,

 

nachdem ich schon wieder ein paar Tage in China bin und auch schon wieder vieles erlebt habe, muß ich mich heute doch endlich mal aufraffen und ein paar Zeilen zusammenschreiben. Seit Montag bin ich mit meinem Kollegen in Suzhou, einer „Kleinstadt“ 80 km westlich von Shanghai mit ca. 6 Mio. Einwohnern. Die Fahrt vom Flughafen hierher hat etwa 2 Stunden gedauert. Die Taxifahrt war wieder mit dem üblichen Wahnsinn gestopft, wenn man auf Chinas Straßen unterwegs ist. Aber man gewöhnt sich dran, inzwischen gehe ich über die Straße und ignoriere das Gehupe, man muß einfach nur selbstbewusst über die Straße laufen, irgendwie moved alles und man erreicht lebend die andere Seite. Darüber nachzudenken hätte eh keinen Sinn.

 

 

Als kleinen Überblick hab ich mal ein paar Fakten aus dem Internet geklaut:

Suzhou ist mit über 2.500 Jahren Geschichte eine der ältesten Städte im Jangtse-Becken. Die Gegend ist die Wiege der Wu-Kultur; die Stämme, die während der Shang-Dynastie hier lebten, nannten sich "Guo Wu".
Im Jahr 514 v. Chr., während der "Frühling-und-Herbst-Periode", wurde Suzhou als "Große Stadt von Helu" durch den legendären König Helu von Wu gegründet.
Der Name der Stadt stammt aus dem Jahr 589 während der Sui-Dynastie. In der Geschichte Chinas war Suzhou immer ein Zentrum von Handwerk und Handel. Mit Fertigstellung des Kaiserkanals als Handelsweg in Richtung Norden nahm Suzhou einen besonderen Aufschwung.
Marco Polo hat die Stadt im Jahr 1276 besucht und als großartig empfunden. Bekannt auch als die "Seidenhauptstadt" des damaligen Kaiserreich Chinas ist Suzhou seit dem 14. Jahrhundert bis heute führend in der Seidenproduktion.
Abgesehen von kurzen Phasen der Besatzung durch die Japaner während des Zweiten Weltkrieges und durch die Armee des Taiping-Reichs im 19. Jh. wurde Suzhou in den Wirren des 19. und 20. Jahrhunderts nicht in Mitleidenschaft gezogen. Viele historische Anlagen sind daher original erhalten. Seit 1981 wurde Suzhou (zusammen mit Peking, Hangzhou und Guilin) in die Liste der Städte aufgenommen, deren historisches und kulturelles Erbe unter besonderen Schutz gestellt werden sollte.
(Quelle: www.wikipedia.de)

Allgemeines zu Stadt:
- Einwohner: 6 Millionen (Es handelt sich hierbei in chinesischen Augen um eine Kleinstadt)
- Es handelt sich um eine Industriestadt mit zwei sehr großen Industrieparks. Deren Namen sind Suzhou Industrial Park (SIP) und Suzhou National District (SND). Der SIP ist der größte Industriepark Chinas. Dieser ist in Zusammenarbeit mit Singapur entstanden. Es gibt in den Industrieparks unzählige Firmen. Darunter sehr viele chinesische oder japanische Firmen. Große, internationale Firmen sind beispielsweise Bosch, Logitech, Apple, L'Oreal, etc.

Suzhou ist von zahlreichen Kanälen durchzogen und wir deshalb auch das Venedig des Ostens genannt.

Diesmal gönnen wir uns den Luxus und schlafen im Holiday Inn. Der Preis ist heiß und vom Niveau ist das Hotel um Welten besser als in Amerika. Die Zimmer sind groß, zur Begrüßung gab es einen Obstkorb aufs Zimmer und das Frühstück ist einfach nur Weltklasse.

 

 

Bei unseren ersten Streifzügen durch die Stadt haben wir in der Nähe ein chinesisches Cafe gefunden was einen hervorragenden Espresso macht. Die Aussicht von da oben ist auch nicht schlecht. Vor allem wenn man das Gewitter abwartet, was gerade tobt.

 

 

Achja, das Wetter ist auch nicht von schlechten Eltern. Morgens kurz vor 07.00 Uhr sind es bereits 30°C und extrem schwül. Das geht hoch bis 35°C und annähernd 100% Luftfeuchte. Teilweise ist der Himmel komplett dicht mit Wolken und Dreck und von unten hängt der Wasserdampf. Nicht unbedingt hilfreich ist es, das ständig Wasserwagen durch die Stadt fahren und die Straßen naß spritzen.

Als nächstes ein paar Impressionen von der Stadt:

 

 

 

 

 

 

 

Am Donnerstag gab es wieder eine kleine Überraschung. Nichts ahnend sind wir auf der Baustelle unserer Arbeit nachgegangen als auf einmal unser chinesischer Vertreter aufgetaucht ist, mit einer anderen Firma im Schlepptau. Er wolle uns zum Essen an einem besonderen Ort einladen. Also kurz ins Hotel zum frisch machen und dann weiter. Wir sind etwa eine Stunde gefahren und sind am Taihu Lake gelandet, der mit einer Ausdehnung von etwa 60x40 km der größte See Chinas ist.

 

 

Es gab eine Spritztour mit dem Motorboot und anschließend ging es auf einer Insel direkt am Wasser in ein wohl recht bekanntes Restaurant.

 

 

 

Da kamen dann noch mehr Leute von der anderen Firma, die zukünftig unsere Produkte und Anlagen verkaufen wollen. Es gab die üblichen Spielchen, jedes Mal beim anstossen hieß es „Bottom up“ – also auf ex. Wir haben den anderen gern den Vortritt gelassen und den Quatsch nicht mitgemacht. Zum Schluß gab es trotzdem Anerkennung, obwohl wir mehr getrunken hatten, konnten wir noch geradeaus laufen. Diese Art der chinesischen Geschäftsessen kann man nicht beschreiben, dass muß man erlebt haben. Üblicherweise endet es damit, das kein Chinese mehr sich so richtig im Griff hat. Das Ganze passiert in einem Zeitrahmen von 1-2 Stunden, das bedeutet Druckbetankung. Während des Essens haben die Jungs uns auch erzählt, am Freitag sollten wir zu ihnen in die Firma kommen und sie schulen.

Freitag früh sind wir dahin und haben die Jungs auch tatsächlich geschult. Ob es sinnvoll war steht auf einem anderen Blatt. Das ist in etwa so, wie einer Kuh das fliegen beizubringen. Die wollen sich PV Spezialisten nennen und wissen gerade so, das es UV gibt. Dabei haben wir noch nebenbei erfahren, dass auf unserer Baustelle am Montag kein Strom da ist und auch die komplette Firma geschlossen ist. So langsam wird es zwar knapp, aber was solls, langes Wochenende halt.

Gestern Nachmittag sind wir in die Stadt und haben uns zum Schluß noch den Nord Pagode Tempel angeschaut.

 

Den Turm konnte man besteigen, was wir auch getan haben. Der Tempel ist buddistisch und noch im Betrieb. Buddafiguren dürfen übrigens nicht fotografiert werden. Meistens passt auch jemand auf, damit wir das nicht tun.

 

 

 

 

 

Heute stand eine Tour westlich vom Hotel an. Irgendwie hat sich das Ganze auch zu einer Tempeltour entwickelt. Wir haben uns diverse Gärten und noch 2 Buddatempel angeschaut. Die waren auch beide noch aktiv und der eine beherbergt über 700 große Buddafiguren.

 

 

 

 

 

Jetzt tun mir die Füße weh. Morgen geht es in die andere Richtung, die restlichen Tempel lassen wir jetzt mal gut sein. Das ist zwar recht interessant, aber irgendwann ist es gut.

 

Für heute reichts erstmal. Ich hoffe ich habe nicht zu viele Bilder in die Mail gepackt.

 

Grüße aus Suzhou (ich weiß immer noch nicht wie man das richtig ausspricht)

Enno

 

 

Hallo Zusammen,

 

und schon ist wieder ein langes Wochenende rum und es geht in den Endspurt. Aber vorher haben wir noch einiges erlebt. Nach unserer ausgedehnten Tempeltour sollte der Sonntag ein tempelfreier Tag werden, was auch fast geklappt hat. Unser erstes Etappenziel Guan Qian Road, die Haupteinkaufsmeile von Suzhou. Damit es keiner falsch versteht, einkaufen kann man überall, aber das ist eben als die größte (und westlichste) definiert. Auf dem Weg dahin sind wir durchs Heiratsviertel. Ganze Straßenzüge nur mit Geschäften für  Brautkleider, das perfekte Hochzeitsbild und alles andere rund ums heiraten.

 

 

Es scheint im Leben des liquiden Chinesen der wichtigste Punkt zu sein.

Was auch noch extrem auffällt ist der Wandel hin zum E-Bike. Normale Fahrräder sind nur noch recht wenige und Motorroller eigentlich nur nach im Ausnahmefall zu sehen. Ich finde die Kisten absolut genial und bei Preisen von 200-300 Euro wäre das bei uns auch eine gute Alternative. Die Reichweite beträgt je nach Modell etwa 80 km und die Geschwindigkeit ist auch modellabhängig. Es waren welche dabei die locker 50 km/h gelaufen sind.

 

 

Nur spielt der deutsche Amtsschimmel nicht mit und der TÜV hätte vermutlich auch was dagegen. Für das Parken muß man übrigens immer einen Obolus entrichten an denjenigen der da rumschleicht und den „Parkplatz“ verwaltet. Keine Ahnung, ob die da eine Lizenz für haben oder von der Stadt angestellt sind.

In der Einkaufsmeile angekommen, haben wir auch das erste Starbucks in Suzhou entdeckt und auch gleich in Beschlag genommen.

 

 

Wo Touris sind, sind die Uhrenhändler auch nicht weit. Über meine Casio hat er sich auch gefreut. Zumindest lassen die meisten sofort ab, wenn ein freundliches „nein danke“ kommt. Die Meile hat nicht viel gebracht, da man in China nicht wirklich was kaufen kann, entweder ist das Zeug gefaked oder deutlich teurer als bei uns. Aber immerhin gibt es in der einen Straße 3 KFC´s und 2 Mac Donalds und diverse nachgemachte Ketten wie den UFF (Abkürzung für UncleFastFood). Mitten in der Einkaufsmeile ist auch noch ein aktiver Tempel, der seine Tore offen hatte. Drin war auch noch so eine Art Flohmarkt.

Als nächstes sind wir zur Shi Quan Street, wo eine Bar nach der anderen kommt, sowie jede Menge Cafe´s, Restaurants, Clubs und einiges mehr. Erst ging ein Espresso in einem süßen kleinen Cafe mit Musik drin. So wie es aussah gibt es da auch ab und zu Live-Musik. Ein paar Blöcke weiter sind wir in Jane´s Pub Bar gelandet. Eigentlich wollten wir nur schnell ein Tsing Dao trinken und dann weiter gehen.

 

 

Daraus sind ein paar mehr geworden und wir haben noch uns recht angeregt mit einigen Leuten unterhalten. Wir einen Deutschen getroffen, der seit 5 Jahren in China arbeitet und eigentlich in Singapore lebt. Er arbeitet an Kraftwerken und geht von Baustelle zu Baustelle. Inzwischen ist er mit seiner Dolmetscherin liiert. Dann wir noch ein total fertiger weißer Südafrikaner, der ein wenig rassistisch war und eigentlich in China nur abhängt. Außerdem war da noch ein Vertreter aus Delaware, der chinesische Busse nach Europa und Amerika verkaufen möchte. Die Busse halten zwar nur halb so lange, aber kosten auch nur die Hälfte. Sind schon interessante Theorien, die die Leute so entwickeln. Nagut etliche Bier später sind wir einfach mit dem Taxi ins Hotel gefahren. Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, das Formel 1 und Bundesliga liefen und auch etliche deutsche Biersorten angeboten wurden.

Danach ging es noch zum Essen ins Hotel und gut. Für etwa 13 Euro gibt es Bier und verdammt gutes Essen „all you can eat and drink“.

Heute stand noch der Tiger Hill auf dem Programm. Ich habe in diversen Empfehlungen gelesen, das man den unbedingt sehen müsste. Also vormittags erstmal ein wenig für die Firma getan, wir sind ja nicht zum Spaß hier. Danach ging es mit dem Taxi zum Tiger Hill.

 

 

Und schon wieder ein neuer Tempel. Das Gelände ist verdammt weitläufig und an jeder Ecke verläuft man sich. Keine Ahnung wie viel wir gesehen haben, aber zumindest der Turm ist über 1000 Jahre alt.

 

 

 

Zum Schluß haben wir uns die Tourinummer gegönnt und sind mit dem Kleinbus übers Gelände. Die Füße tun immer noch weg. So langsam reicht es mit den Fußmärschen.

 

 

Zwischendurch mal was ganz anderes. Die Ladekünste sind schon recht erstaunlich.

Als nächstes stand der Bahnhof auf dem Programm. Nachdem das mit dem Transfer zum Flughafen mit dem Taxi ein wenig unsicher ist, haben wir uns nach dem Zug erkundigt. Das Terminal A vom Frankfurter Flughafen ist Scheißdreck dagegen, entsprechend lange habe wir auch die Ticket Counter gesucht. Natürlich ist alles nur in Landessprache ausgeschildert. Zumindest haben wir für den Donnerstag 8.00 Uhr Tickets gekauft, es bleibt noch ein wenig spannend, wo wir ankommen. Die Züge selbst sind Kopien vom ICE 3. Vielleicht funktioniert hier wenigstens die Klimaanlage.

 

Genug von mir für heute, morgen geht es wieder früh raus.

Bis bald,

Enno